Miriam Wagner Long ist erfahrene Fundraising-Expertin, die ihre langjährige Praxis in der Arbeit mit Non-Profit-Organisationen auf die Entwicklung nachhaltiger Fundraising-Strategien ausrichtet. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im internationalen Fundraising-Kontext interpretiert sie die Ergebnisse des diesjährigen Deutschen Spendenmonitors wie folgt:

„Die Ergebnisse des Deutschen Spendenmonitors 2024 sind erfreulich und zeigen eine starke Solidarität in schwierigen Zeiten. Dennoch sehe ich den positiven Trend viel zu gering, um sich darauf ausruhen zu können. Wir sollten nicht selbstzufrieden werden. Ein Blick in andere Fundraising-Kulturen kann helfen, um Perspektiven zu erweitern und Inspirationen zu sammeln. Etwa wird im amerikanischen Fundraising als Development verstanden, sowohl nach außen mit den Fördernden als auch nach innen in der Organisation. Was bedeutet das? Fundraising wird grundsätzlich als Entwicklung verstanden. Diese Grundhaltung wird nach Innen wie nach Außen gelebt. Nach Außen mit Fördernden, mit denen die Arbeit gemeinsam entwickelt wird. Fördernde sind diesem Verständnis nach nicht Mittel zum Zweck, Donor-Centricity ist keine Plattitüde, sondern eine gelebte Haltung und die Wertschätzung von echten Partnern.
Nach Innen bedeutet Fundraising als Entwicklung zu verstehen den Mut, Neues zu wagen, und den Stellenwert des Fundraisings selbst auch als Entwicklungsarbeit zu sehen. Hierzu braucht es neben besagtem Mut auch Geduld, Offenheit sowie intern eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Mit Blick auf die amerikanische Kultur des Fundraisings sollten wir daher aufhören, den Spendenmarkt als einmaliges Ereignis zu sehen – als eine Sache, die wir mit einem „Good Will“-Moment und Charity anstoßen. Stattdessen müssen wir die kontinuierliche, emotional ansprechende und nachhaltige Fundraising-Arbeit ernsthaft in die Struktur und ins Bewusstsein vieler deutscher Organisationen integrieren, um dauerhaft erfolgreich zu sein.“
Ergebnisse des Deutschen Spendenmonitors 2024: Eine kurze Zusammenfassung
Die Ergebnisse des Deutschen Spendenmonitors 2024 zeigen, dass das Spendenverhalten und die Bereitschaft zu helfen trotz der Herausforderungen durch multiple Krisen und steigende Lebenshaltungskosten ungebrochen ist. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 6 Milliarden Euro durch Privatspenden gesammelt, was einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Die durchschnittliche Spende pro Kopf stieg auf 174 Euro, was eine Steigerung von 4 Euro im Vergleich zu 2023 darstellt.
Besonders auffällig ist der Anstieg der Spenderinnenquote, die mit 50,2% um 1,6%-Punkte gewachsen ist. Mehr Menschen in Deutschland zeigen ihr Engagement, nicht nur durch Geldspenden, sondern auch durch ehrenamtliche Tätigkeiten. 42% der Bevölkerung engagieren sich ehrenamtlich, und unter den Spenderinnen sind es sogar 53%, die gleichzeitig aktiv in gemeinnützigen Organisationen tätig sind. Ein weiterer positiver Trend ist die zunehmende Spendenbereitschaft der Generation Y (1980-1995 Geborene), deren Anteil unter den Spenderinnen von 46% im Jahr 2023 auf 52% im Jahr 2024 gestiegen ist.
„Diese Entwicklungen sind ein klares Zeichen für das Vertrauen der Bevölkerung in die Transparenz und Verantwortung von Spendenorganisationen. Bewegungen wie der Giving Tuesday bieten wertvolle Impulse, um Menschen zu ermutigen, sich aktiv zu engagieren und ihre Solidarität zu zeigen. Das Vertrauen in die Arbeit von Fundraising-Organisationen als Hebel zur Verbesserung gesellschaftlicher Herausforderungen ist unseres Erachtens der Schlüssel für die kontinuierliche positive Entwicklung. Lasst es uns anpacken und gemeinsam voneinander lernen. Leinen los!“







