Förderloch droht –
Warum gemeinnützige Organisationen ihre Finanzierung jetzt diversifizieren müssen
Fördermittel sind für viele gemeinnützige Organisationen eine der wichtigsten Einnahmequellen. Nicht selten stammen mehr als die Hälfte der Einnahmen aus Zuschüssen. Oft herrscht die Erwartung, dass ausgelaufene Förderungen durch neue Programme ersetzt werden. Diese Hoffnung wird nicht selten auch von Fördermittelberatern bestärkt. Die Realität ist jedoch deutlich unsicherer: Förderprogramme laufen aus, politische Prioritäten ändern sich und die Konkurrenz um verfügbare Mittel wächst. Wer sich darauf verlässt, dass immer neue Fördergelder nachkommen, riskiert die Finanzierung der eigenen Arbeit.
Ein Förderloch ist sehr wahrscheinlich
Viele landes- und bundesweite Programme, die mit EU-Mitteln finanziert werden, laufen bis 2027 aus. Gleichzeitig steht eine Neuausrichtung der Förderlandschaft an. Deshalb ist damit zu rechnen, dass zwischen Mitte 2027 und 2028 kaum neue Programme starten. Erst ab 2029 dürften wieder größere Fördermittel zur Verfügung stehen. Konkret bedeutet ein Förderloch von bis zu zwei Jahren.
Das trifft nicht nur Sach- und Personalmittel, sondern auch Bau- und Investitionsprogramme. Gerade die erforderliche Modernisierung und Sanierung der vielen Immobilien in gemeinnütziger Verantwortung kosten viel Geld – angesichts steigender Baukosten und ohnehin rückläufiger Zuschüsse hat selbst der temporäre Wegfall jedes weiteren Förderprogramms erhebliche Auswirkungen.
Unsere Praxiserhebung (Verlinkung) mit 87 Nonprofit-Organisationen aus den Jahren 2025 und 2026 zeichnet ein klares Bild:
95 Prozent der befragten Organisationen sind kritisch bis existenziell – also mehr als 50 % – von einer Haupteinnahmequelle abhängig. Gleichzeitig halten 55 Prozent genau diese Einnahmequelle für unsicher oder sehr unsicher. Trotzdem betreiben 40 Prozent keine aktive Gewinnung neuer Förderer, und 49 Prozent leisten keine aktive Zuschussarbeit. Wir beschreiben dieses Verhaltensmuster als „Abhängigkeitsfalle“. Der Begriff trifft den Kern recht gut: Die Risiken sind bekannt, aber sie führen oft nicht zu konkretem Handeln.
Viele sehen die Gefahr. Nur wenige ziehen Konsequenzen.
Auffällig an den Ergebnissen der Praxisstudie ist, dass es den Organisationen nicht an Problembewusstsein fehlt. Mehr als jede zweite Organisation sieht die Unsicherheit ihrer wichtigsten Einnahmequelle durchaus. Was häufig fehlt, sind die Konsequenzen daraus. Das prognostizierte Förderloch zwischen 2027 und 2029 ist somit kein neues Risiko. Wer bis heute seine Einnahmensäulen nicht diversifiziert hat, dürfte die Folgen sehr direkt spüren.
Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt auch der ZiviZ-Survey (Verlinkung) des Stifterverbands. Öffentliche Förderung wird zunehmend projektbezogen statt strukturbezogen vergeben und ist dadurch schwerer planbar. Anders gesagt: Auf den nächsten Förderbescheid allein zu hoffen, wird für viele Organisationen nicht ausreichen.
Worauf es jetzt ankommt
Das mögliche Förderloch kommt nicht überraschend. Und es ist noch etwas Zeit, sich darauf vorzubereiten. Dazu gehört zunächst eine klare Strategie. Viele Organisationen halten Fundraising für wichtig, verfügen aber über keinen konkreten Plan, wie sie ihre Einnahmen breiter aufstellen wollen.
Wer sich nicht vorbereitet, wird auf sinkende Fördermittel nur noch reagieren können. Aktionismus statt einem aktiven Gestalten der eigenen Arbeit ist zu befürchten. Wer hier vorbeugen möchte, sollte jetzt konkrete Maßnahmen ergreifen: Einnahmequellen verbreitern, Rücklagen aufbauen, Fundraising strategisch verankern und alternative Finanzierungsmodelle entwickeln. Nur so lassen sich finanzielle Risiken abfedern und die Handlungsfähigkeit langfristig sichern.







